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Fogging: Das Phänomen der schwarzen Wohnungen
30.07.2010 | Nach einer Renovierung kann es in sehr seltenen Fällen an den Wänden zu Verfärbungen kommen - die Ursachen dafür sind komplex -- Ihr Malermeister Mirko Knobloch behebt dieses Problem --
Nach einer Renovierung kann es in sehr seltenen Fällen an den Wänden zu Verfärbungen kommen – die Ursachen dafür sind komplex
Meist geschieht es zur Winterzeit, in Wohnungen mit sehr niedriger Luftfeuchte, die häufig lange nicht genutzt und gelüftet wurden. Die zuvor noch strahlend weißen Wände einer Wohnung verfärben sich dunkel. Ein schmierig-klebriger, schwarzer Film setzt sich ab. Vor allem betroffen sind Bereiche, an denen ein Temperaturgefälle herrscht, etwa Flächen über Heizkörpern oder kältere Außenwände. Die Faktoren, die diesen sogenannten "Fogging-Effekt" auslösen, sind nur zum Teil bekannt. Ihr kompliziertes Wechselspiel ist noch Gegenstand der Forschung.
"Wir hatten schon Fälle, bei denen sich durch das Anzünden einer einzigen Kerze über Nacht die ganze Wohnung schwarz gefärbt hat", sagt Holger Oetzel. In seinem Ingenieurbüro mit dem Schwerpunkt Umweltanalytik hat er bereits zahlreiche Fogging-Fälle untersucht. "Zuletzt haben wir in einer Kirche Nikotin als Verursacher festgestellt. Jeder Fall ist anders."
Dennoch gibt es einige Gemeinsamkeiten. Meistens tritt das Phänomen der schwarzen Wohnungen nach einer Renovierung auf, erklärt Heinz-Jörn Moriske, Leiter des Referats für Innenraumhygiene des Umweltbundesamts: "Möbel und Bodenbeläge können schwerflüchtige organische Verbindungen enthalten. Diese gasen in die Raumluft aus und bilden zusammen mit Staubpartikeln die klebrig-schmierigen Beläge." Hochwertige Innenwandfarben scheiden hingegen als Verursacher schon seit Jahren aus, da sie keine schwerflüchtigen organischen Verbindungen enthalten.
Zahlreiche Begleitparameter tragen dazu bei, etwa auch die Konvektion im Raum, elektrostatische Aufladungen und die Staubkonzentration in der Luft. "Man kann es sich wie einen umgedrehten Tesa-Film vorstellen, der an einer Wand hängt", veranschaulicht Oetzel, "Nach einer gewissen Zeit wird der dunkel, denn Partikel, die vorbeischweben, haften daran an und führen zu einem optisch sichtbaren Belag."
An einigen Stellen in der Wohnung treten die dunklen Beläge besonders häufig auf. Eine Erklärung hierfür ist die sogenannte Thermophorese. Die kleinen Staubteilchen in der Luft bewegen dabei aus einem warmen Gebiet in kältere Zonen und lagern sich dort ab. "Besonders im Winter entsteht durch die Heizkörper eine aktive Thermik und die Partikel bewegen sich entlang des Temperaturgradienten", erklärt Moriske. Dadurch verfärben sich etwa Flächen oberhalb von Heizungen. Oft werden auch verborgene Strukturen hinter einer Wand sichtbar: "Bei renovierten Fachwerkhäusern zeichnet sich beim Fogging-Effekt die Balkenlage ab", beschreibt Oetzel.
In der Automobilindustrie war das Phänomen des Foggings schon länger bekannt. Durch Ausdünstungen von Weichmachern im Innenraum der Fahrzeuge bildete sich auf der Windschutzscheibe ein nebliger Belag. Erst seit Mitte der 1990er Jahre wird der Begriff "Fogging" auch für Verfärbungen in Wohnungen angewandt. Und erst seit dieser Zeit wurde der Fogging-Effekt in Wohnungen auch vermehrt beobachtet.
Eine exakte wissenschaftliche Beschreibung des Phänomens steht noch aus. "Bis heute ist es noch nicht gelungen, den Effekt künstlich nachzustellen", so Moriske. Dennoch gibt es einige Maßnahmen, die den unerwünschten Schwarzfärbungen vorbeugen können: "Renovierungen sollten im Sommer vorgenommen werden", rät er, "denn anschließend kann intensiv gelüftet werde, was das Ausgasen beschleunigt.
Zudem sollte man in den Wintermonaten auf Kerzen verzichten, denn der Ruß kann zum Fogging-Effekt beitragen." Einen weiteren Tipp hat Susann Hübner, die sich in ihrem Labor zur Analytik von Innenraumschadstoffen mit dem Phänomen befasst: "Man sollte darauf achten, beim Renovieren Farben mit nicht-fogging-aktiven Substanzen zu benutzen. Besser man gibt an der Stelle ein paar Cent mehr aus, denn eine erneute Renovierung wäre später in jedem Fall teurer." Gleiches gilt natürlich auch für Möbel und Bodenbeläge.
Hochwertige Innenwandfarben von namhaften Herstellern sind schon seit Jahren frei von foggingaktiven Substanzen. Sie sind häufig mit einem TÜV-Prüfzeichen versehen oder werden als ELF (emissionsarm und lösemittelfrei) bezeichnet. Fachbetriebe setzen diese Farben ein, um von vornherein jegliche Beteiligung an Foggingproblemen auszuschließen. Diese Anstrichstoffe sind inzwischen "Stand der Technik".
Hübner untersucht in ihrem Labor als selbstständige Sachverständige die Ursachen von Fogging-Fällen. "Manchmal reicht es, einen einzelnen Faktor aus der Wohnung zu entfernen", sagt sie, "Meist ist es aber ein kompliziertes Puzzlespiel verschiedener Gründe." Ist der Effekt bereits aufgetreten, muss entweder der Mieter oder der Vermieter für die Kosten der Beseitigung aufkommen. "Nach einem Gerichtsurteil muss der Mieter nachweisen, dass er nicht für die Verfärbung verantwortlich ist. Zahlen muss derjenige, der den auslösenden Faktor in die Wohnung eingebracht hat."
Immerhin: Die verfärbten Wände sind vielleicht unschön, aber zumindest nicht gefährlich für die Gesundheit, sagt Moriske vom Umweltbundesamt: "Die Konzentrationen der Inhaltsstoffe sind hierfür viel zu gering."
Bezugsquelle: Farbimpulse das Onlinemagazin für Farbe in Wissenschaft und Praxis
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